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Wir müssen funktionieren

Ich bin mir nicht ganz sicher, woher dieses Verhalten eigentlich kommt. Ich vermute, dass wir es durch unsere Erziehung so gelernt haben. Wir müssen funktionieren. In meinen Coachings beobachte ich Menschen dabei, wie sie oft gegen ihr Bauchgefühl handeln und in Jobs, Beziehungen oder Situationen verharren, die ihnen ganz offensichtlich nicht gut tun. Wenn ihnen dann irgendwann alles um die Ohren fliegt, wundern sie sich, wie es so weit kommen konnte…

Doch, und ich bleibe jetzt einfach mal bei meiner Theorie mit dem erlernten Verhalten, es ist kein Wunder, dass es irgendwann knallt. Entweder im Außen oder im Inneren durch ein Krankheit. Unsere Seele kann ja vieles aushalten und macht auch eine Zeit lang geduldig mit, doch sie sendet uns auch immer wieder kleine Signale. Da haben wir dann morgens ständig Kopfschmerzen, wenn wir zur Arbeit müssen, uns geht es Sonntagsabends schon nicht mehr so gut, wenn wir an die nächste Woche denken oder wir haben Bauchschmerzen (übrigens auch beliebt bei Kindern mit Schulstress). Doch, wir müssen ja funktionieren, dürfen unseren Job nicht verlieren, denn dann verlieren wir ja auch unsere Sicherheit.

Schlechte Motivatoren

Pflichterfüllung, Erwartungen anderer an uns und das Sicherheitsbedürfnis im Außen stillen wollen, sind allesamt zwar Motivatoren, doch sie dienen uns nicht. Im Prinzip liegt hinter ihnen Angst. Angst, anderen nicht gerecht zu werden, Angst, den Job zu verlieren, Angst, kein Geld mehr zu verdienen und mittellos da zu stehen. Verschärft wird die ganze Situation natürlich noch, wenn ein Haus finanziert und / oder Kinder mit im Spiel sind, die wir versorgt wissen wollen. Angst ist nie ein guter Ratgeber. Durch sie gerät unser Körper in Aufruhr, schaltet in den Kampf- und Fluchtmodus (der beim Säbelzahntiger im Gebüsch noch sinnvoll war), überflutet uns mit einem aufregenden Hormoncocktail und beraubt uns damit unserer Ratio. Klar ist, im Panikmodus können wir keine vernünftigen Entscheidungen treffen, es geht schlicht darum, das Überleben zu sichern. Wenn wir also lange in Situationen ausharren, die uns nicht gut tun und die immer lauter werdenden Signale unserer Seele ignorieren, dann spitzt sich die Lage immer mehr zu und irgendwann knallt es und uns fliegt alles um die Ohren. Wir müssen lernen, viel bewusster auf die Signale unseres Körpers und unserer Seele zu hören und wir müssen lernen, bewusster und liebevoller mit uns umzugehen.

Gute Motivatoren

Wir sollten uns also mehr darauf konzentrieren, was uns gut tut und konsequent danach handeln. Kein Chef der Welt ist es wert, dass wir dafür vor die Hunde gehen. Viele Menschen (und ich gehörte auch dazu) haben ja schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie krankheitsbedingt bei der Arbeit ausfallen. Statt sich die nötige Ruhe zu gönnen, rennen sie weiter zur Arbeit, bis sie dann vollkommen zusammenklappen und dann auch gleich länger ausfallen. Wir dürfen wieder lernen, auf uns, unsere Bedürfnisse und unseren Körper zu hören. Um so sensibler wir dafür werden, desto eher können wir die Bremse ziehen und Orte, Menschen und Situationen für den Moment verlassen oder ganz hinter uns lassen, die nicht in Übereinstimmung mit unseren Wünschen und Bedürfnissen sind. Ein guter Motivator ist also das eigene Wohlbefinden. Dies sollte an erster Stelle stehen. Macht mir etwas gute Gefühle? Dann weitermachen! Sobald das nicht mehr der Fall ist und es neutral wird oder ins Gegenteil kippt, bitte hinschauen, hinfühlen, hinhören. Und hier kannst du nur auf dich hören. Andere Menschen, andere Wünsche, andere Wohlfühlorte. Selbst die beste Freundin oder der Partner können dir nicht sagen, was du tun sollst. Das musst du ganz allein für dich herausfinden und dann auch danach handeln.

Weitergeben

Wir wollen unseren Kindern immer gute Dinge mit auf den Weg geben, möchten es ihnen leicht machen im Leben. So lange wir sie aber weiterhin in Richtung “Du musst funktionieren” trainieren, sind wir ihnen kein guter Ratgeber. Achten wir auf uns selbst, tun wir uns gut und leben unser Leben in Freude und Harmonie, dann sind wir wundervolle Vorbilder. Unsere Kinder schauen sich dann bei uns ab, was es bedeutet, gut für sich selbst zu sorgen und übernehmen es ganz natürlich in ihr eigenes Leben. Denn sie lernen weniger durch unsere Worte als durch unser Beispiel. Und wenn Worte und Handlung gegensätzlich sind, wirkt die Handlung immer stärker als das Wort. Insgesamt gilt: Wir sind für andere eine Quelle der Inspiration, wenn wir uns selbst lieben und im Einklang mit unseren Wünschen leben. Wir lieben Menschen, die authentisch sind, es nicht nötig haben, sich zu verstellen oder sich für einen Job aufopfern. Daran sollten wir uns orientieren. An denen, die wissen, wie man ein Leben in Frieden führt und nicht an denen, die wie die Lemminge das machen, was alle machen und sich daran hochziehen, dass es anderen ja noch schlechter geht als ihnen selbst. Suchen wir uns endlich die guten Vorbilder, streben wir nach einem tolleren Leben und werden wir schließlich selbst eins.

Tu, was du liebst! Gärtnern, lesen, Musik machen, malen…die Welt ist voller Wunder. Und du bist eins davon. Geh bitte nicht unter im Einheitsbrei!