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Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte weitergeben, einfach, weil ich sie so wunderschön finde. Leider weiß ich nicht, wer sie geschrieben hat…

“Die einzige Verbindung zwischen Estobariz und Villalba war die kleine Fähre von Don Pablo. Eines Tages wartete die kleine Fähre von Don Pablo auf der Flußseite von Villalba auf Kundschaft. Da sprach ihn eine Frau an: “Entschuldigen Sie bitte, aber ich bräuchte mal ihren Rat. Ich nehme an, dass Sie sich ein bisschen in Estobariz auskennen und mir einen Rat geben können, wie die Leute dort so sind. ich überlege nämlich, dorthin zu ziehen.”

Don Pablo fragte überrascht zurück: “Warum wollen Sie denn umziehen? Stimmt irgendwas nicht in Villalba?”

“Villalba ist einfach furchtbar,” antwortete die Frau. “Ich glaube, nirgendwo wohnen schlimmere Leute als hier. Meine Nachbarn sind total laut. Jeder lässt überall seinen Dreck liegen und kümmert sich nur um sich selbst. Keiner grüßt freundlich oder bietet mal seine Hilfe an.”

“Das hört sich wirklich schlimm an”, gab Don Pablo zu. “Aber haben Sie den Leuten mal gesagt, dass es Sie stört?”

“Ha!”, schnaubte die Frau. “Gesagt? Gezeigt hab ich es ihnen! Von denen lasse ich mir nichts gefallen! Wer mir dumm kommt, ist an der falschen Adresse. Ich habe Ihnen meinen Müll vor die Tür gekippt, damit sie mal sehen, wie das ist. Ich lasse den Fernseher auf höchster Lautstärke laufen und grüßen tue ich schon lange niemanden mehr! Aber die lernen einfach nicht!”

“Ich verstehe”, sagte der Fährmann, “und deshalb tut es mir leid, dass ich gar keine guten Nachrichten für Sie habe. Die Leute in Estobariz sind, ehrlich gesagt, auch nicht anders. Alles, was Sie an den Leuten in Villalba hassen, werden Sie dort auch vorfinden.”

“Ich wusste es!”, sagte die Frau enttäuscht. “Aber irgendwo muss es einen besseren Platz. Ich muss wohl einfach viel weiter wegziehen.”

Kurz nachdem die Frau gegangen war, kam ein junges Mädchen vorbei und sprach Don Pablo an: “Entschuldigen Sie bitte, ich überlege, nach Estobariz zu ziehen. Wissen Sie zufällig, wie die Leute dort so sind?” Wieder antwortete Don Pablo mit einer Gegenfrage: “Warum willst du denn umziehen?” “Ach”, seufzte das Mädchen. “Ich möchte dort ein Ausbildung machen und da wäre es sicher praktischer, wenn ich dort wohnen würde, Aber den Gedanken, Villalba zu verlassen, finde ich ganz schrecklich.”

“Warum das denn?” fragte Don Pablo.

“Villalba ist einfach der wunderbarste Ort”, sagte das Mädchen. “Ich habe richtig tolle Nachbarn. Alle sind immer so freundlich und hilfsbereit. Jeder kümmert sich um jeden. So etwas finde ich ganz bestimmt nicht noch einmal.”

“Ich verstehe”, sagte Don Pablo, “aber ich habe gute Nachrichten für dich. Die Leute in Estobariz sind wirklich ganz ähnlich. Alles, was du an den Menschen in Villalba magst, wirst du auch in Estobariz finden, und es wird sicher nicht lange dauern, bis du dich dort genauso wohl fühlst, wie hier.”

Erleichtert ging das Mädchen nach Hause, um seinen Umzug zu planen.

Der Sohn des Fährmanns, der am Fluss gespielt hatte, setzte sich neben seinen Vater und sagte: “Papa, ich habe euch zugehört. Zwei Leute aus demselben Dorf haben dir dieselbe Frage gestellt. Warum hast du unterschiedliche Antworten gegeben?”

“Weil die beiden selbst den Unterschied machen. Der Frau ist nicht bewusst, dass alles, was sie hasst, seinen Ursprung in ihr selbst hat: der Lärm, der Dreck, die Unfreundlichkeit, der fehlende Respekt. Solange sie sich selbst nicht ändert, wird es für sie überall furchtbar sein. Und ähnlich ist es mit dem Mädchen. Alles, was sie an Villalba und den Leuten dort liebt, hat ebenfalls seinen Ursprung in ihrem Herzen: die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft, das Verständnis. Solange sie sich nicht ändert, wird es ihr überall gut gehen.”

“Heißt das”, fragte der Junge, “dass das Leben woanders gar nicht besser ist?” “Genau”, sagte Don Pablo, “aber das Leben wird überall besser, wenn es in dir drin besser wird.”