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Warum dieser Artikel auch für Männer ist:

Eins vorweg: alles, was ich hier schreibe, richtet sich natürlich an alle Menschen, männlich und weiblich. Nur, ich schreibe aus der Frauenperspektive, weil…nun ja, ich bin nun eben eine Frau. Aber auch Männer tun gut daran, Zeiten für sich zu haben, nicht nur im Berufshamsterrad zu rennen.

Warum das Kümmern um andere auch zum Boomerang werden kann

Ich glaube, dass das weibliche Prinzip etwas ist, was sich kümmert, das umsorgt und viel Mitgefühl hat. Das männliche Prinzip ist eher durchsetzungfähig und zielstrebig, manche sagen agressiv. Agressiv ist für mich allerdings negativ belegt. Daher wähle ich lieber Worte, die positiv sind und die Vorzüge beschreiben. Und in jedem Menschen steckt beides. Männliches und weibliches.

Wenn wir uns nun also viel um andere kümmern – was toll und absolut notwendig ist, denn wir haben Kinder, alte Menschen und kranke Menschen – kann es passieren, dass wir uns selbst dabei vergessen und nur noch im Außen unterwegs sind. Und keine Frage, die Zeit, die wir mit Menschen verbringen, die uns am Herzen liegen, ist ja auch eine schöne Zeit, die uns viel gibt, die uns glücklich und zufrieden macht. Doch, wenn wir nicht immer wieder darauf achten, hin und wieder Zeit mit uns selbst zu verbringen, uns selbst gut zu tun und unsere Akkus wieder aufzutanken, laufen wir Gefahr, auszubrennen. Ich jedenfalls spüre es immer deutlich, wenn ich nicht genügend meiner Ich-Zeiten bekomme. Dann werde ich launisch, unfair und gerate aus der Balance.

Ich-Zeiten sind nicht egoistisch

sondern notwendig. Immer, wenn ich aus der Balance gerate, weil ich nicht ausreichend Zeit fürs Lesen, Malen, Meditieren, Spazierengehen, Basteln, saunieren oder ähnliches habe, werde ich unzufrieden und leider auch ängstlich (das ist irgendwie mein Thema) und dann bin ich echt kein Gewinn mehr für meine Mitmenschen. Um wieder ausgeglichen und fröhlich zu sein, ziehe ich mich ab und zu nur für mich zurück. Wenn ich dann wieder auftauche, geht es mir gut, ich habe mich wieder sortiert und kann mich wieder voll auf meine Lieblingsmenschen einlassen. Und dann haben wir alle was davon.

Die Schuldfrage

Früher habe ich gerne die Schuld an andere Menschen verteilt. Da war das Kind, der Mann oder, im Zweifelsfall auch der blöde Haushalt, schuld an meiner Misere. Man, war das noch einfach. Die halten mich ja von den Dingen ab, die ich sooooo gerne machen möchte. Heute, tja, heute ist das anders…

Was ich gelernt habe ist, dass die Verantwortung für mein Leben ganz allein bei mir liegt. Ich allein muss dafür sorgen, dass ich meine Auszeiten bekomme oder die Dinge tue, die mir am Herzen liegen. Zugegeben fällt es mir immer noch schwerer, wenn meine beiden Lieblingsmenschen um mich herum sind, denn natürlich verbringe ich auch unglaublich gerne Zeit mit ihnen. Doch auch ihnen kann ich meine Misere ja nicht in die Schuhe schieben, so verlockend die Vorstellung auch ist. Es fühlt sich viel besser an, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Denn nach dem megablöden Gefühl, mich selbst vernachlässigt und meine eigenen Ziele nicht verfolgt zu haben, sprich, zu viel im Außen unterwegs gewesen zu sein, kommt ja auch die Klarheit und die Erkenntnis, dass ich eine Veränderung ja auch selbst in der Hand habe. Und so ist die Erkenntnis, nicht genügend für mich eingestanden zu haben, vielleicht schmerzhaft, doch die eigene Macht zurückzuerlangen fühlt sich viel besser an als mir nur zu wünschen, dass sich doch bitte die Anderen verändern mögen, damit ich so leben kann, wie ich mir das vorstelle.

Jede Entscheidung ist meine Entscheidung

Denn, sind wir doch mal ehrlich, es ist doch schließlich meine Entscheidung, ob ich morgens noch im Bett liegen bleibe und mich an den Lieblingsmann kuschele oder ob ich um sechs aus dem Bett hüpfe und Yoga mache, weil ich weiß, dass mein Tag damit einfach toll startet. Beides ist okay. Wenn ich mich jedoch danach dafür zerfleische, dass ich liegen geblieben bin, statt aufzustehen, hab ich ja wieder nix gewonnen. Nur Schuldgefühle. Aber die braucht ja auch kein Mensch. Und meinen Partner kann ich dafür auch nicht verantwortlich machen. Auch nicht, wenn es noch so kuschelig bei ihm war…

Für andere da sein ist genauso wichtig wie gesunder Egoismus

Für andere da sein, ihnen die eigene Zeit schenken, tolle Gespräche führen, mit dem Kind kuscheln oder spielen, all das ist genauso wichtig wie Ich-Zeit. Ich-Zeit darf nur nicht in puren Egoismus ausarten, in dem andere nicht mehr gesehen werden. Genauso wenig darf ich mich für andere aufopfern bis ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Auch hier gilt es, eine gesunde Balance zu schaffen, zwischen mir und den anderen, zwischen Innen und Außen.

In allerlei Literatur wird heute immer wieder hervorgehoben, wie wichtig es ist, sich selbst gut zu tun, Dinge zu tun, die dir wichtig sind und darauf zu achten, was du möchtest. In einer Welt, wo sich gerade vieles um Konsum und höher, schneller, weiter dreht, kann diese Aufforderung schnell missverstanden werden. Denn genauso, wie wir Zeiten für uns brauchen, braucht diese Welt dringend Menschen, die sich für ihre Mitmenschen verantwortlich fühlen, die da sind, wo Hilfe gebraucht wird. Die bereit sind, ihren Konsum einzuschränken und sich zu fragen, was wirklich wichtig ist. Denn die Weltbevölkerung und unser Planet brauchen Menschen, die achtsam mit sich und ihrer Umwelt umgehen.

In diesem Sinne: Achtet gut auf euch und eure Bedürfnisse. Setzt Grenzen, wo sie nötig sind. Nehmt euch Zeit für euch allein und für andere.